Mit dem Citroën C5 CrossTourer ins Autokino

Wo gibt es in Deutschland schon noch ein richtiges Autokino? So gut wie nirgends. Und wenn, dann natürlich in der Hauptstadt. Von Bayreuth aus ist es ein Katzensprung nach Berlin und ein C5 genau das Richtige dafür: Nicht wegen seines Platzangebots und der Familientauglichkeit, vielmehr ist es ein Komfort-Fest, mit seiner legendären hydropneumatischen Federung, die in den 50er Jahren von Citroën entwickelt wurde, über die alten Autobahnen Ostdeutschlands in den Norden zu fahren. Sie bestehen nämlich zu großen Teilen noch aus zusammengesetzten Betonplatten. Was in vielen Autos trotz Komfortfederung holprig sein kann, fühlt sich im C5 dank der Hydropneumatik namens Hydraktiv III+ fast schwebend an. Das bedeutet aber keine zu starke Entkoppelung vom Fahrgeschehen: Gelenkt wird kontrolliert und nicht schwammig. Wie der Name schon sagt kann der C5 CrossTourer außerdem genau das, was man sich in Deutschland am meisten wünscht: Zu jeder Gelegenheit zuladen oder ins Gelände gehen. Auch wenn man es nur an einem Tag im Jahr tut. Dafür hat er ein um mehrere Zentimeter verstellbares hydropneumatisches Fahrwerk und es gibt Plastikbeplankungen an den Radläufen. Und satte 533, bzw. umgeklappt 1.500 Liter Kofferraumvolumen.




Richtig Spaß machen die täglichen Unebenheiten wie Schlaglöcher oder hohe Bordsteinkanten: Sänftengleich gleitet der C5 darüber hinweg. Unabhängig von der Beladung wird die Bodenfreiheit des C5 konstant gehalten – ähnlich dem System einer Luftfederung. Bis Tempo 90 bleibt der CrossTourer in seiner Normalhöhe, bei Autobahngeschwindigkeiten senkt er sich für eine bessere Aerodynamik automatisch ab. (Vorne 15, hinten 11mm) Erkennt die Elektronik unwegsames Gelände, wird die Karosserie angehoben – hinten und vorne um 13mm. Die Auswirkungen des Sportmodus sind weniger spürbar. Die Stufe der Bodenfreiheit kann auch manuell gewählt werden, wie eine komplette Abfahrt aussieht zeigt dieses Video. Das Anheben dauert deutlich länger. Insgesamt ist die Karosserie um 6 cm Bodenfreiheit variabel.


Während die Federung also eher auf extreme Gemütlichkeit schätzen lässt, geht es mit dem 204 PS starken Diesel (2.2 HDi) ganz schön zur Sache: In der Stadt ist er spritzg, besonders auf der Autobahn kann der ganze 1.9 Tonnen schwere Kombi mit dem größten verfügbaren 2,2-Liter Diesel locker mit anderen Vertreter-Kombis auf der linken Spur mithalten. Im schnellen Autobahnverkehr lässt er keinerlei Elastizität vermissen. Die Sechsstufen Automatik ist einer von der Sorte, an die man sich gewöhnen muss. Man sollte es nicht zu hektisch mit ihr treiben, aber insgesamt ist die Dauer der Schaltvorgänge noch im Rahmen. 6,1 Liter sind für den kombinierten Verbrauch angegeben, 8 Liter haben wir berechnet. Unter 7,5 lässt sich der Verbrauch mit dem Automatikgetriebe auch schwer drücken, in Anbetracht der Leistung und des Gewichts des CrossTourer ist das aber in Ordnung.


Das Design des Interieur ist eher zweckorientiert und weniger ästhetisch als z.B. im noblen DS5. Überzeugen konnte aber die Verarbeitung. Die Spezialität im Cockpit ist das Lenkrad. Es ist nicht, wie üblich, komplett beweglich sondern dreht sich um den starren Mittelteil. Was Anfangs durchaus ungewohnt ist merkt man aber bald nicht mehr: Der Mittelteil bietet sauber bedienbare und übersichtliche Knöpfe und Rädchen – auch das Infotainmentsystem eMyWay ist wie von Citroën gewohnt ziemlich gut gelungen. Im Bereich der technischen Gadgets bringt der C5 CrossTourer einen Spurhalteassistent mit netter Spur-Verlass-Warnung per Vibration auf der entsprechenden Sitz-Seite mit. Außerdem kann er die Länge von Längs-Parklücken per Ultraschallsensoren abmessen, jedoch muss vom Fahrer manuell eingeparkt werden.




Das Dilemma mit der Stromversorgung

Was ist letztendlich passiert im Autokino? Obwohl wir in der zweiten Reihe standen haben wir natürlich die Bodenfreiheit erstmal aufs Maximum erhöht. Auch einen Zentimeter will man ja für die optimierte Sicht ausnutzen, wenn man schonmal hydropneumatisch gefedert ist. Wie zu den Anfangszeiten empfängt man im Autokino den Ton des Films übers Autoradio. Um so besser, dass wir ein tolles Philips-Soundsystem an Bord haben. Das große Problem war aber, dass der C5 nach einigen Minuten den Insassen den Saft abdreht. Sind Motor und Zündung aus, meldet er sich, wohl unabhängig von der Batterieladung, mit einer Warnung, dass man bitte die Batterie schonen möchte. Das Infotainmentsystem geht aus und lässt sich nicht wieder einschalten. Außer mit aktivierter Zündung, aber: Dann blendet das bei Dunkelheit sehr krelle Tagfahrlicht (das widerum nicht deaktivierbar ist) alle anderen Zuschauer.


Die Lösung des Problems: Für zu alte oder eben wie hier zu moderne Technik verleiht man im Autokino tragbare Mini-Radios. Popcorn, Burger und Getränke bestellt man per SMS unter Angabe des Kennzeichens. Und so ist es mit dem blechernen Radio statt der HiFi-Lautsprecher im C5 doch noch ein tolles Autokinoerlebnis geworden. Romantisch mit Kerosingeruch in der Anflugsbahn des benachbarten Flughafen Tegel. Das war im Oktober 2014, mittlerweile ist das Autokino zum Flughafen BER umgezogen.


Dass der Citroën C5 seine Batterie schont ist ja eher lobenswert als störend. Wenn man nicht gerade 90 Minuten ohne laufenden Motor Radio hören will, ist der CrossTourer eine klasse Wahl. Er sieht nicht nur nobel aus, sondern bietet auch Platz und die Option in leichtem Gelände sauberer unterwegs zu sein. Wie das Interieur bietet auch das erstklassige Hydraktiv III+ Fahrwerk extrem viel Komfort, ohne den C5 langweilig wirken zu lassen: Mit dem 2.2 Liter Diesel mit 204 PS fehlt dem französischen Kombi auch bei schnellen Autobahnetappen nichts.


Quelle: http://www.motoreport.de/citro…tourer-hdi-200-automatik/

    Über den Autor

    Geboren 1976 in Iserlohn. Seit Januar 2015 im Besitz eines C5III Tourer 240HDI Exclusive.